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Walli Wu



Walter Wust offline
Leichtmatrose/Motorenhelfer
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Beiträge: 48
Dabei seit: 01 / 2019
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Betreff: Re: Walli Wu  -  Gepostet: Heute um 13:24 Uhr  -  
Hi @ All

Es wurde beschlossen jeweils an den Sonntagen – Seemannssonntag undKalendersonntag _Einen Filmabend einzulegen. Es wurde eine Liste der vorhandenen Filme erstellt und in den Messen ausgelegt. Jeder durfte auf der Liste seinen Favoriten ankreuzen und der Film mit den meisten Kreuzen wurde aufgeführt und aus der Liste gestrichen.Gleich am ersten Reedetag wurden vier Mann aufs Bootsdeck eingeteilt und jetzt kam eine Arbeit, die war etwas für Puzzle-Fans. Alle Holzdielen wurden hochgenommen, rückseitig markiert und aufs Hauptdeck geschafft. Dort bekam der Zimmermann noch zwei Junggrade als Hilfe und die haben das Holz geschliffen und geölt. Die vier Anderen durften den Unterbau bearbeiten. War eine Seite fertig, wurde das Deck neu verlegt, gedübelt, kalfatert und mit Marineglue vergossen. War das Marineglue ausgehärtet wurde es mit einer Ziehklinge abgezogen, das ganze Deck nochmals nachgeschiffen und geölt.So ging es vom Bootsdeck über die Nocken zum Peildeck. Gut, daß man das abgekratzte Marineglue wieder neu kochen und vergießen konnte, sonst hätte das Zeug nicht gereicht.Allerdings ging diese Arbeit über mehrere Wochen ganz schön in die Knie und ins KreuzAuch in der Maschine wurde Alles von oben nach unten und wieder zurück gekehrt. Egon hätte seine helle Freude an unserem Treiben gehabt, vor Allem, so ganz ohne Überstunden.Die Filme wurden in der Offiziers-Messe gezeigt, sehr zum Leidwesen des Messestewards,der dann im Nachhinein wieder Alles zurechtrücken musste. Zu seinem Glück hatte der „Alte“ verfügt, daß nach dem Filmvorführen die Messe wieder zu räumen ist, sonst wäre wohl nach dem Film noch eine Party gestartet. Das Auf- und Abbauen des Projektors, der Filmspulen und der Leinwand haben der Blitz und der Funker freiwillig übernommen. Filmrollen mussten ja jedesmal wieder zurückgespult werden. Im Großen und Ganzen waren schöne Filme dabei.Das Wetter war im Vergleich zum ersten Törn wesentlich schlechter. Zwei Mann waren auf Stand by, um bei Regen sofort die Luken dicht zu ziehen. Landgang war immer noch verboten und auch mit dem Boot durften wir das Schiff nicht verlassen. Zu allem Unglück bekam ich eine Zahnwurzelvereiterung. Ich hatte eine dicke Backe und höllische Schmerzen. Über den „Dolmetscher“ erreichte der Kapitän, daß ich an Land zu einem Zahnarzt durfte. Hierzu musste ich erstmal 50 US-Dollar in Lek umtauschen. Dann durfte ich in Begleitung eines Wachmanns an Land. Die Zahnarztpraxis hatte so was wie in Wild-West Filmen. Es stand nur ein einfacher Holzstuhl im Raum, ein Tisch mit museumsreifen Instrumenten und ein Gerät, das sehr an ein Spinnrad erinnerte. Ich bekam ein Laken um den Hals gewickelt und musste mit irgendeiner Flüssigkeit den Mund spülen, die sehr scharf schmeckte und einem Alles zusammenzog. Dann hielt mich mein Begleiter an den Schulter fest, während der Zahnarzt das „Spinnrad“ in Position brachte. Das ganze war ein Gestell mit mehreren Gelenken an dessen äußeren Ende ein Bohrer saß und das mit Lederriemen angetrieben wurde. Der Antrieb wurde durch den Fuß des Zahnarztes über ein Pedal erzeugt das über einen Pleuel auf das Schwungrad, mehrere Lenkrollen letztlich den Bohrer bewegte. Allerdings war die Umdrehung so gering, die Hitze im Mund wegen fehlender Wasserspülung so gewaltig, daß ich das Gefühl hatte, eine Rostmaschine und ein Schneidbrenner kümmern sich gleichzeitig um meinen Zahn. Der ganze Kopf schien zu explodieren und mein Begleiter war wohl nebenbei auch als Schraubstock tätig, zumindest hielt er mich so fest. Als ich mich schon damit abgefunden hatte, daß dies wohl mein Ende war, hörte plötzlich die Quälerei auf. Ich bekam wieder reichlich Flüssigkeit zum Mundspülen, wobei ich danach Alles in einen Eimer spuckte. Nach mehreren Spülungen befand der Zahnarzt, daß es jetzt genug sei und mein Begleiter entließ mich aus seinem „Schraubstock“. Zusätzlich zu den Leks, gegen die ich die Dollars tauschen musste hatte mir der Zweite auch noch zwei „Tripper-Spritzen“ mitgegeben.Damit konnte ich den Dr. Eisenbarth bezahlen. Seit dieser Prozedur hatte jeder danach folgende Zahnarztbesuch etwas legeres. Doch zur Ehre des Zahnarztes muss gesagt werden, die Schwellung ging zurück und die Schmerzen waren weg.Ein paar Tage später ging es, genau wie beim Trip vorher, wieder nach Durres. Wieder kam ein ganzes "„Abstauber-Bataillon"“ an Bord und wieder hatte der Steward „Al-Quaida-Identisches-Gedankengut“, als er mit freundlicher Miene zwischen Salon und Pantry hin und her lavierte. Die Erinnerung an die „Ehrengäste“ hielt diesmal auch etwas länger, da wegen Schlagregens die Salonfenster Vorkante Brücke dicht bleiben mussten.Alles Schöne geht einmal zu Ende und auch das Getreide war einmal gelöscht. Also ging es im Ballast raus auf See, ohne festen Bestimmungshafen, einfach Richtung Westen.Endlich, nach zwei Tagen kam ein Telegramm mit Order für Antwerpen. Jetzt gingen die tollsten Spekulationen los. Auf jeden Fall ging es nicht noch einmal nach Sete und so gesehen konnte es nur noch besser werden. Die Holzdecks waren auch rechtzeitig fertig geworden und unsere Catharina sah aus wie ein Teenager. Am Cap Finisterre vorbei hiess es dann, der Chinese hätte das Schiff gechartert und es soll zwischen China und USA eingesetzt werden.Das war ganz und gar nicht mein Traumtrip und so habe ich in Antwerpen in Sack gehauen.Ausser den Lamettaträgern sind fast Alle abgemustert, wie ich gehört habe, wurden später bis auf die Schiffsleitung Alle gegen Bimbos ausgetauscht.Ich fuhr also erstmal nach Hamburg, nistete mich im weissen Schloss am Meer ein und ließ Max wissen, daß ich außer für Albanien und Rotchina, für Alles zugänglich sei. Aber erst malließ ich auf dem Kiez so richtig die Sau raus. Das gehörte einfach zur Imagepflege.Jedesmal wenn ich bei Max reinschaute, meinte er, ich solle erstmal wieder nüchtern werden.Gleich am Eingang zum Seemannsheim war eine Kneipe, man konnte dort auch essen, deftig und viel und zu zivilen Preisen. Lotti, eine schon etwas ältere Ex-Schönheit, hatte Ihre Fürsorge für Seeleute entdeckt und fand es schlimm, wie ich mit mir und meiner Gesundheit umging. Als ich nach einer Zechtour mal wieder total kaputt am Tresen stand und beide Hände brauchte, um eine Mug Kaffe zu trinken, nahm sie mich beiseite und redete mir ins Gewissen. Sie hatte am Tag vorher mit einer Polaroid-Camera ein Bild von mir geknipst, wie ich im Vollrausch Richtung Pförtner torkelte, dies hielt sie mir nun vor und fragte, ob ich das gut fände. Natürlich fand ich das fürchterlich, so wie meinen ganzen momentanen Zustand und ich beschloss ad hoc, das muss sofort anders werden.Mit zwei großen Flaschen Mineralwasser bewaffnet schlich ich in mein Zimmer, und schlief fast 24 Stunden lang meinen Rausch aus.Die Duschen im weissen Schloss waren im Flur und man musste für warmes Wasser Geld in einen Automaten werfen. Ich nahm mein ganzes Silber und setzte mich auf einem Hocker unter die Dusche, wobei ich zwischendurch den Wasserhahn mal nur kalt oder nur heiss drehte. Diese Rosskur zeigte Wirkung und ich fühlte mich langsam wieder wie ein Mensch.So zog ich mein letztes sauberes Päckchen an und ging die zwei Etagen runter in die Kneipe.Lotti war angenehm überrascht, man sah ihr an, daß sie sich freute, mich so zu sehen. Ich bestellte einen strammen Max und eine große Kanne extra starken Kaffee und setzte mich diesmal nicht an den Tresen, sonder ganz in die Ecke an einen Tisch. Das Frühstück tat meinem Magen richtig gut und so bestellte ich gleich nochmal solch eine Portion. So gestärkt ging ich dann um die Ecke zu Max und klopfte an die Klappe.Auch Max schien sich zu freuen und fragte, ob ich wieder in der normalen Welt angekommen sei, er hätte da nämlich einen feinen Pott für mich.Max hatte die Adrian von Ernst Komrowski, einen alten „Schlurren“ im Vergleich zur Catharina Oldendorff, aber wie sich später herausstellte, eine Super-Crew.Als ich die Gangway hochkam, bekam ich erstmal einen Schreck. Alles lag voll Stauholz, Pontondeckel und Persennige, daß man schon klettern musste um nach Achtern zu kommen.Der Bootsmann stand achterkante Mittschiffsaufbauten und half mir, meine Koffer nach Achtern schleppen. Ich konnte mich gleich umziehen, die Adrian war in Charter für Delmas gefahren und hatte neben Kupfer und Baumwolle auch Kaffee und Kakao geladen. Da so ein richtiges Hamburger Sudelwetter war, brauchte er dringend Leute an Deck für die Regensegelzu setzen. Später kam auch noch eine Barkasse mit Store und Proviant. Um genug Platz für den Proviant zu haben, mussten wir erst mal bei Luke vier ein paar Pontons andecken. Dann wurde mit Netzbroken der Proviant an Deck geholt. Auch den Store für die Maschine nahmen wir Luke vier an Deck, für den Deckstore musste die Barkasse nach Luke eins verholen. Nach der Menge zu urteilen, von dem was gebunkert wurde, sollte die Reise wohl etwas länger dauern. Nach dem Abendbrot kam ich erst dazu, mein Seefahrtsbuch beim Ersten abzugeben.Dieser nahm wohlwollend zur Kenntnis, daß ich gleich einsatzfähig war und auch mit dem Equipment keine Probleme hatte. Scheinbar hatte er sich schon vorher mit dem Bootsmann unterhalten und dieser muß wohl zufrieden gewesen sein. Auch daß ich auf Stand by an Bord blieb, fand Anerkennung. Ich hatte allerdings ganz andere Motive, an Bord zu bleiben, hatte ich doch vom Kiez die Nase gestrichen voll.Beim verstauen das Deckstores fragte mich der „Scheich“, ob ich Lust hätte, das Kabelgatt zu machen. Momentan wüsste er noch nicht, wie die neue Charter aussieht, aber sicher werden wir bei Stückgut bleiben und mir traue er den Job zu.In der Messe gab der Bootsmann seinen Entschluß bekannt und obwohl ich unter den Matrosen der Jüngste war, gab es keine Einwände.Am nächsten Tag waren drei Luken gelöscht und wir teilten uns das Reinigen mit der Schietgang. Danach wurde gleich Sackgut geladen, Düngemittel von BASF und Fässer, über deren Inhalt ich leider nichts weiß.Es ging dann noch nach Rotterdam und Antwerpen und inzwischen erfuhren wir auch den neuen Charterer, es war ZIM Navigation.Der Bootsmann kam zum Teatime in die Messe, hatte eine Fotografie in der Hand mit der Schornsteinmarke von ZIM und fragte mich, wie wir die wohl am Besten übertragen könnten.Ich sagte ihm zu, daß ich mich um die „ZIMtsterne“ kümmere und machte schon mal dieStellagen für den Schornstein fertig.Während nun zwei Mann den Schornstein mit weissgrundierten, suchte ich mit dem Kochsmaaten im Proviantraum nach festen Kartons. Nachdem wir fündig wurden, schnappte ich meine „Beute“ und verzog mich in meine Kammer. Ich setzte zwei gleichschenkelige Dreiecke über Kopf aufeinender und achtete darauf, daß die Spitzen im gleichen Abstand waren. Das schnitt ich dann aus und fertig war der „ZIMtstern“ es war auch noch genug Rand übrig, sodaß man mit der Rolle drübergehen konnte. Das war mal eine leichte Arbeit, die allseits Anerkennung fand.Erster Löschhafen war Ashdod. Die große „Attraktion“ dort war ein zur Bar ausgebauter Container mit warmen Getränken und kalten Weibern. Die Preiseliste hatte man wohl in Las Vegas drucken lassen und so hatte ich nach dem „Genuss“ von einem lauwarmen „Amstel-Bräu“ auch schon meinen Bedarf an Landgang gedeckt.Das „Bordell“ stand hinter dem Container und war ein ausrangieter Wohnwagen. Ich ersparte mir das „Vergnügen“, eine der Barschönheiten dorthin auszuführen, aber notleiden mussten sie dank meiner Enthaltsamkeit keineswegs.In Haifa nahmen wir nach dem Löschen gleich Ladung für Ostküste USA. Was wir außer Konserven sonst noch alles geladen haben, größtenteils in Containern, hat mich damals nicht so interessiert.Erster Ostküstehafen war Wilmington, dann gings nach Baltimore und anschießend nach Norfolk, Kohle laden.Bevor wir Norfolk anliefen, mussten wir erst mal zwei Tage in der Chesapeak-Bay auf Reede.Das ganze Stauholz musste in Hieven gepackt und in den Zwischendecks verstaut werden. Wegen der Union durfte die Besatzung diese Arbeit nicht selbst machen, wenn das Schiff an der Pier festgemacht hat. Das Räumefegen wurde dann wieder von einer Landgang übernommen, wohl, um mit der Gewerkschaft keinen Ärger zu bekommen.Was mir in allen drei Häfen auffiel, war die riesige Rattenpopulation. Ich habe noch nie so viele Ratten gesehen wie in diesen Häfen. Trotz der Rattenbleche marschierten diese Biester auch an Deck rum und ließen sich kaum verscheuchen.Die Kohle ging nach Haifa. Dann wieder Ladung für die Ostküste USA, diesmal Philadelphia.Ladung bekamen wir in St. Johns, Asbest in Ballen gepresst, wieder für Ashdod und Haifa.Asbest ist so ‚ne richtige Schei....Ladung. Der Staub setzt sich aber auch überall hin und ist, wenn er naß wird, so eine richtig zähe Pampe. Schon beim Laden hatten wir so’n richtig schön versautes Neufundlandwetter und man musste beim Laufen an Deck aufpassen, daß man nicht auf die Nase flog. Auf Rückreise haben wir eine ganze Woche gebraucht, bis wir den Dreck weggewaschen hatten. Danach war die ZIM-Charter auch zu Ende und wir gingen wieder in Charter für Delmas. Nachdem wir in Livorno, Genua und Marseille geladen hatten, ging es ab nach Matadi. Jetzt konnte man endlich mal das Tropenpäcken aus dem Spind holen. Ich war zwar schon mehrmals über den Äquator gefahren, aber nie wurde eine Taufe abgehalten. Das sollte sich jetzt ändern. Aus der Vermessungsluke wurden alle möglichen Balken hervorgezaubert, eine Persennige wurde aus dem Kabelgatt geholt und der Zimmermann hatte mit zwei Junggraden alle Hände voll zu tun, bis er neben Luke 4 so etwas wie ein Planschbecken hingezwängt hatte. Vom Fettkeller gab es Wasser an Deck und schon nach kurzer Zeit war das Becken geflutet. Bis zum Äquator war das erstmal eine willkommene Abwechslung für die Freiwachen und auch „Kolonne Fress“ und das „Feudelgeschwader“ planschten in der Freizeit schon mal im Seewasser. Einen Tag vor dem Äqator musste jeder, wollte er nicht getauft werden, seinen Taufschein vorlegen. Ausreden, wie, den haben sie mir geklaut oder den hab‘ ich im Puff als Zahlungsmittel eingesetzt, wurden nicht akzeptiert. So ergab es sich, daß elf Täuflinge darauf warteten, vom Schmutz der nördlichen Halbkugel gereinigt zu werden, um Neptuns Reich südlich des Äquators befahren zu dürfen. Der Chiefsteward versicherte, daß genug Bier und Schnaps vorhanden war, um die Taufqualen auf ein gerade noch zu ertragendes Maß an Höllenpein zu erkaufen
Dann kam der Tag der „Läuterung“. Alle elf Aspiranten wurden noch vor dem Frühstück im Deckshaus eingesperrt. Es war stockdunkel, das Bullauge war mit schwarzer Farbe zugemalt.
Für die Notdurft hatte der Fettkeller ein 50 Liter Fass gespendet, ansonsten waren alle weiteren Annehmlichkeiten gestrichen. Es gab keine Sitzgelegenheiten, nur das blanke Deck und das war mit dreckigem Schmieröl eingesaut. Es gab auch nichts zu trinken und nach kurzer Zeit stand da ein heisser, stickiger Mief in der Foxel, daß einem die Luft wegblieb. Die Adrian rollte leicht in der Dünung und auf dem ölverschmierten Deck sorgte das jedesmal für Samba, Rumba und Hoolahoop gleichzeitig. Wir hatten nur Shorts an, keine Schuhe und keine Hemden und schwitzten wie die Schweine. Keiner wusste, wann die Taufe steigen sollte, heisst, wann der Äquator überquert wird. Inzwischen mussten auch noch Einige auf das Fass, so daß es schon fast nicht mehr zu toppen war.Es war schon eine Erlösung, als das Schott eindlich aufging und einer der Täuflinge rausgezerrt wurde. Man hörte nun fast von jedem Einzelnen die Pumpe blubbern und selbst die ganz,ganz Coolen wurden etwas weiss um die Nase. Ich war als Fünfter an der Reihe und schon der Weg über das heisse Deck war barfuss eine Freude. Ich bekam ein aus Stauholz zurechtgesägtes Joch angelegt und musste mich rücklings auf eine Leiter legen. Jetzt kam der „Arzt“ und untersuchte mich, wobei Diagnostik und Therapie Hand in Hand erfolgten. Als Erstes stellte er fest, daß es mit meinem Gehör nicht so recht klappt, daraufhin hat einer der Neger, der als Arztgehilfe fungierte, sofort eine Ölspritze zur Hand und mir dreckiges Schmieröl in die Ohren gespritzt. Gegen die Filzläuse bekam ich noch eine Spezialmischung von einem zähen Kleister in die Hose gepackt, so daß auch das letzte Sackhaar etwas abbekam. Dann meinte der Arzt, daß ich das ohne Stärkung nicht überstehen würde und ich bekam daraufhin ein paar „Kraftpillen“ verpasst, die teuflisch brannten und einem die Tränen in die Augen trieben. Dann ging es zu Thetis, deren Füße ich küssen durfte und deren Schönheit ich zu bewundern hatte. Thetis hatte eine Mischung aus extra scharfem Senf und Tabasko auf ihren Quanten und das Zeug drang nicht nur in den Mund, nein dank ihres „Entgegenkommens“ auch gleich in Nase und Augen. Nun zeigte sich erst wie gemein so ein Joch sein konnte, war man doch hilflos eingezwängt und der Drang sich zu reiben, haute Einem das Holz unter die Nase. Der Astronom hielt mir ein „Einglas“ vor und fragte, ob ich das Kreuz des Südens sehen könne. Ich sah nichts, außer schwarz. Vor der Audienz bei Neptun galt es noch einen Salzhering mit Kopf und Gräten zu verköstigen. Dann kam man auf allen Vieren zu Neptun gekrochen, der zu prüfen hatte, ob die Reinigung zum Befahren des südlichen Teils seines Reiches genügen würde. Er meinte, nachdem er sich mit dem Astronomen und dem Arzt beraten hatte, daß ich zwar körperlich vorbereitet, aber meine schwarze Seele nur mit reichlich Mitgift den schönsten Teil seines Reiches befahren dürfte. Zu diesem Zweck dürfe ich schon mal eine Kostprobe seiner südlichen Gewässer genießen. Daraufhin warfen mich zwei Neger in das „Taufbecken“, wo schon vier weitere „Neger“ warteten und mich sofort unter Wasser drückten, bis auch der letzte Hauch von Luft aus der Lunge raus war. Dann durfte ich kurz mit dem Kopf aus dem Wasser, nur um auf die Frage, „wieviel“ zu antworten. Mit wieviel war die Anzahl der Kisten Bier und / oder Flaschen Meisterbrand gemeint, die man als „Mitgift“ einbringen wollte. Natürlich hatte man noch einen Tag vorher rumgedröhnt, daß man überhaupt garnichts spenden würde, aber bei diesen „Argumenten“ war man gut beraten, seine Meinung neu zu überdenken. Wenn Neptun dann mit dem Kopf nickte, das heißt, die Mitgift akzeptierte, konnte man endlich wieder aus dem Becken klettern und durfte sich bei Neptun und Thetis bedanken, für die Gnade, die sie einem gewährten. Nun war noch einmal der Astronom dran und tatsächlich, diesmal konnte man am Ende der „Röhre“ ein Kreuz erkennen. Damit war die Taufe abgeschlossen und der Täufling vom Schmutz der nördlichen Halbkugel befreit.

moin WalliWu
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Dieser Post wurde 1 mal bearbeitet. Letzte Editierung: Heute um 14:04 Uhr von Walter Wust.
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